Dienstag, 31. Juli 2007

Das Symbol für Glas

hier nochmals der Bericht aus : Glastech. Ber. Glass Sci. Technol. 72 (1999) Heft 4, Seite N39-N40

Das Symbol für Glas

Im Jahr 1948 wurde auf der Umschlagseite des 22.Jahrgangs der Zeitschrift GLASTECHNISCHE BERICHTE der Deutschen Glastechnischen Gesellschaft in Frankfurt am Main beim Wiedererscheinen der Zeitschrift nach dem 2.Weltkrieg ein geheimnisvolles Zeichen verwendet: die liegende Acht auf dem Kreuz. Dieses Zeichen hatte für viele zunächst keine besondere Bedeutung. Man sah es als das scherzhafte und doch wahre Sprichwort der Glasmacher an: „Es ist ein unendliches Kreuz, Glas zu machen“. Erst später wurde bekannt, dass das Zeichen ein Symbol für Glas darstellt und einen tieferen Sinn besitzt.

Auf die Bitte des Autors wurden ihm freundlicherweise von Seiten der Schriftleitung der GLASTECHNISCHEN BERICHTE aufschlussreiche Unterlagen zugesandt. Hier nun seine Deutung des Zeichens:

Die liegende Acht, die aus zwei Schleifen zusammengesetzt ist, stellt eigentlich zwei Zustände eines Stoffes dar, den flüssigen und den festen Zustand. Auf der linken Seite befindet sich der Stoff im flüssigen Zustand, als Glasschmelze, auf der rechten Seite befindet er sich im festen Zustand, jedoch nicht als Kristall. Er bleibt weiterhin im flüssigen Zustand, erscheint nur nach außen als fester Stoff, als Glas. Das stimmt auch mit der alten Definition des Glases überein, die besagt, dass das Glas eine unterkühlte Flüssigkeit ist. Die liegende Achte bedeutet also auch das unendliche Nachsinnen und den endlosen Streit um das, was eigentlich Glas sei.

Das auf dem Kopf stehende Kreuz bedeutet ein Schwert, wie es Friedrich Holl in seiner Deutung darstellt [] Holl, F. : Symbol für Glas . In: F. Holl (Hrsg): Die Poesie des Glases. Sonderdruck aus den Werkskurznachrichten „Der Motzer“. Nr. 60/1993. Grazer Glasfabrik Ag]. Auf der Spitze balanciert die liegende Acht gerade im Übergangsbereich zwischen den beiden Zuständen Glasschmelze und Glas, somit ein instabiles Gleichgewicht symbolisierend. Das Schwert ist aus Metall geschmiedet und stellt das Machtsymbol der Herrschaft über die Natur dar, leider aber auch das der Herrschaft über den Menschen. Seit zweitausend Jahren zwingt der Glasmacher der glühenden Glasschmelze mittels der metallenen Glasmacherpfeife, gleichsam wie mit einem Schwert, seinen Willen auf. Die eleganten Bewegungen des Glasmachers bei seiner Arbeit erinnern an die Bewegungen des Fechters.

Die Großproduktion von Stahl und Gusseisen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachten auch der Glastechnik und Glastechnologie einen ungeahnten Aufschwung. Im 20.Jahrhundert veränderte die automatische Glasfabrikation kontinuierlich die klassische Struktur der Glasherstellung, zuerst auf dem Gebiet des Hohl- und Pressglases, dann beim Flachglas und bei den technischen Gläsern. Im Verarbeitungsprozess kommen Glasschmelze und Metall in unmittelbare Berührung, z.B. bei den Metallformen, den Walzen und beim Floatprozess. Das Glas, die liegende Acht, und das Metall, das Schwert, sind zwei untrennbare Materialien, die in der Alltagspraxis, d.h. im Bauwesen, im Maschinenbau, in der Elektrotechnik etc. zusammentreffen.

Das Glaszeichen, das die Deutsche Glastechnische Gesellschaft seit dem Jahre 1948 bis heute verwendet, hat einen Ursprung in alchimistischen Zeichen und ist daher allen Glasmachern gemeinsam. Die neugegründete Tschechische Glasgesellschaft (Ceská Sklarská Spolecnost) verwendet ein ähnliches Zeichen. Die liegende Acht drückt wie beim deutschen Zeichen das Gleichgewicht der zwei Zustände Glasschmelze und Glas aus. Das Kreuz darunter (das Schwert) ist aus Ordinate und Abszisse zusammengesetzt. Die Senkrechte versinnbildlicht die Handarbeit mit der Glasmacherpfeife, das Ziehverfahren, die fallenden Glastropfen aus dem Feeder, dem Speiser etc. Die Waagerechte stellt alle Glastechnologien dar, die in der Horizontalen verlaufen und bei denen die Glasschmelze mit dem Metall direkt in Berührung kommt.

Das Glaszeichen drückt auf einzigartige Weise die verschiedenen Glastechniken und Glastechnologien aus. Auch die kommenden Generationen werden sich bemühen, in der Weiterentwicklung der nie zu einem Ende kommenden Glastechnologie immer wider neue Ansätze für die wahre Deutung diese geheimnisvollen Zeichens zu finden. „Die Zukunft zeigt die Wahrheit“, so der deutsche Alchimist und Glasmacher Johann Kunckel (1630 bis 1703), Autor der „Ars Vitraria“. An einer Stelle schreibt er : „ ... dass die Glasmacherkunst die letzte unter allen Künsten in der ganzen Welt sein würde; denn wann Gott dieses Weltgebäude durch Gewalt des Feuers (im Glaszeichen das Schwert (d.Verf.)) verzehren wird, so wird alles zu Glas werden.

So gesehen ist das Glas ewig, und seine Ewigkeit ist im Glassymbol durch die liegende Acht, die mathematische Unendlichkeit, sehr schön und wahr ausgedrückt.

Glastech. Ber. Glass Sci. Technol. 72 (1999) Heft 4, Seite N39-N40
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Zitat


Ich glaube, daß ein schönes Stück Glas
so viel wie möglich von dem Atem
enthalten sollte, der es entstehen ließ.

Maurice Marinot,
französischer Glasdesigner
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Dienstag, 24. Juli 2007

Chagalls Glasfenster . . .

Der russisch-französische Maler Marc Chagall
gehört zu den Hauptvertretern des
gegenständlichen Expressionismus.
Er arbeitete eng mit den Fauves zusammen,
vor allem mit Matisse und Picasso.

Französische Einflüsse mischen sich mit Eindrücken aus der Volkskunst, dem russischen Märchen und der jüdischen Tradition sowie mystischen und traumhaften Vorstellungen aus Religion und Kindheit zu einem sehr persönlichen Stil.
Die Bildsprache ist häufig phantastisch und surreal.
Chagalls Bibelillustrationen
machten ihn zu einem der berühmtesten Maler des 20. Jahrhunderts.
S eine jüdische Herkunft wird in vielen seiner Bilder sichtbar.

Darüber hinaus gestaltete Chagall
auch Gebäude und entwarf
beeindruckende Glaskunstwerke.



In den Jahren 1970 und 1978
schuf der französische Maler Marc Chagall
im Chor der Fraumünster-Kirche in Zürich,
fünf hohe Glasfenster und eine Rosette.
Die Werke, in dem für Chagall charakteristischen Blau gehalten, bilden einen wesentlichen kulturellen Anziehungspunkt.

Die Chagall-Fenster im Fraumünster Zürich von links nach rechts:
Prophetenfenster
Jakobsfenster
Christusfenster
Zionsfenster Gesetzesfenster


ZÜRiNFO - Sehenswürdigkeiten - Kunst im öffentlichen Raum
Sehenswert!

Auch in anderen Kirchen und Gebäuden, kommt seine Kunst zu tragen.
Mehrere dieser wunderschönen Kirchenfensterbilder
hat Marc Chagall zwischen 1976 und 1985 für den Ostchorder Kirche St.Stephan in Mainz geschaffen. Die übrigen Kirchenfenster sind passend dazu ebenfalls in Blautönen gehalten.












Marc Chagall:
Die 12 Glasfenster der Synagoge der Poliklinik Ejn Karem in Jerusalem
jeweils mit Chagalls Farbskizze (20 x 15 cm)
und Modell (42 x 32 cm)
und der jeweiligen Ausführung des Fenster (338 x 251 cm) durch Brigitte und Charles Marq (Reims)eingeweiht 1962&
Der Segen Jakobs über seine zwölf Söhne (Genesis 49,1-27)
hebräisch / deutsch (Martin Buber 1954) den jeweiligen Abbildungen hinzugefügt -
Marc Chagall: 12 Glasfenster; Jakobssegen Genesis 49

Eine Austellung für Chagall :
BAYERN.BY - Marc Chagall – Originalgraphik aus sieben Jahrzehnten - Kunst & Feste - Bayern erleben - Chagall Ausstellung Nördlingen
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Mittwoch, 4. Juli 2007

Glasspruch


"Das Schicksal zerbricht uns, als seien wir Glas,
und unsere Scherben finden niemals wieder zusammen."

Abul-Ala al Maari
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Montag, 2. Juli 2007

Zitat

Liebe ist wie ein Glas,
das zerbricht,
wenn man es zu unsicher oder zu fest anfasst.

RUSSISCHES SPRICHWORT